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Klang in (neu)gotischen Räumen
Der Freiburger Domchor auf Chorreise in Hessen
(8. bis 11. September 2016)
 
Übers Jahr verankert am gotischen Freiburger Münster, hat der Freiburger Domchor mit der diesjährigen Chorfahrt seinen Sitz im musikalischen Leben verlassen, um in Geisenheim mit einem Konzert die neue Reihe „Marktmusik Rheingauer Dom“ zu eröffnen und um in St. Bonifatius in Wiesbaden die Vorabendmesse und abschließend im Frankfurter Kaiserdom St. Bartholomäus den Sonntagsgottesdienst musikalisch mitzugestalten. 
 
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Auf den flüchtigen Blick vielleicht Vertrautes, nämlich Singen in einem gotischen Kirchenraum, entpuppte sich für alle schnell als Neues, als Anderes. Denn die gotischen Silhouetten der Dome und Kirchen, die auch heute noch den Rheingau und das Bild der beiden Städte akzentuieren, führten in Räume, die entstanden oder „vollendet“ wurden im Geist und mit der Bautechnik des 19. Jahrhunderts. In diesen von hohen Netzgewölben überspannten, großen neugotischen Hallenkirchen mit ihrem ausgeprägten Nachhall nach nur kurzer Erkundung der Musik ihren eigenen Raum und ihre Sprache mit unterschiedlicher und unterschiedlich starker Stimmbesetzung angemessen zu geben, war die an jedem Ort neu zu lösende Aufgabe. So ließen sich mit der polyphonen A-cappella-Musik der Spätrenaissance und des Frühbarocks von Orazio Vecchi (1550-1605) und Hans Leo Haßler (1562-1612), mit der spätromantisch geprägten „Missa St. Crucis“ in G op. 151 von Josef Gabriel Rheinberger von 1882/1883 und den Werken des 20. Jahrhunderts für Chor und Orgel von Flor Peeters (1903-1986) und Richard Shephard (*1949) je neue Klangräume erfahren. 
 
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Sich einzustellen auf wechselnde Bedingungen ist bekanntermaßen Herausforderung und Reiz zugleich auch für das Spiel an der Orgel: Hier prägen Position des Instruments im Raum, seine Bauzeit, Register- und Klangvielfalt sowie die technische Ausstattung die Möglichkeiten und den Charakter des Spiels wie des Zusammenspiels. Im A-cappella-Gesang des Chors unter seinem Leiter Domkapellmeister Boris Böhmann, im Orgelspiel von Petra Böhmann und im dialogischen Musizieren von Chor und Orgel gelangen so an jedem der Orte klanglich eigene, schöne und bereichernde musikalische Erlebnisse für Ausführende wie für Zuhörende. 
 
Vertrautes mit den Erfahrungen der Reise neu zu denken, den gotischen (Klang)raum des Freiburger Münsters neu zu entdecken, ist jetzt schöner Impuls, mit Freude in den Choralltag zurückzukehren –  offen für neue Musik und neues Musizieren in Gottesdienst und Konzert.
 
Angela Karasch